Backup Strategien 3


 

Die jüngste häufung von Ransomeware, im speziellen Kryptotrojaner wie Cryptolocker, Cryptowall, Teslacrypt, Petya und Locky, zeigen wieder deutlich wie leichtsinnig manche User mit ihren Daten umgehen. In den seltensten Fällen haben Privat-User ein aktuelles Backup. Selbst viele Betriebe vernachlässigen Backups, sonst wären die aktuellen Fälle in Krankenhäusern kein Thema in der Öffentlichkeit.

Dabei ist es doch so einfach.

(Dieser Beitrag richtet sich vor allem an Privatpersonen weshalb ich auch nicht auf Systeme wie Bandwechsler oder teure Backupsoftware eingehen werden.)

Murphys Law sagt schon „Whatever can go wrong will go wrong„. Jedes Ereignis mit einer Wahrscheinlichkeit größer als Null wird geschehen wenn man lange genug wartet.

Die Ausfallwahrscheinlichkeit eines beliebigen Datenträgers ist nicht 0. Egal welches Medium ich verwende.  Papier verblasst und brennt gut, DVDs zerkratzen und altern, externe Festplatten fallen runter oder werden gestohlen. Die Szenarien sind vielfältig und ebenso vielfältig sollte deine Backup-Strategie sein.

Die wichtigste Regel lautet also: auf je mehr Medien ich meine Daten kopiere umso unwahrscheinlicher ist ein Totalverlust.

Verschiedene Ansätze können kombiniert werden, denn alle haben vor und nachteile. Weiters hat jeder andere Ansprüche und unterschiedliche Volumen und Formate an Daten. Und natürlich ist das alles auch eine Preisfrage. Es geht darum eine persönliche Balance zu finden zwischen Aufwand und Nutzen.

Zielsetzung

Was ist notwendig um meine Daten zu schützen?

  1. Die Daten sollten mehrfach, also auf mindestens 2 Medien gespeichert sein
  2. Eines der beiden Medien sollte „offline“ sein. Also nicht immer im Netzwerk oder am USB Anschluss hängen. Kryptotrojaner verschlüsseln meist alle Datenträger auf die sie Zugriff haben, nur Abstöpseln hilft
  3. Finde einen für dich geeigneten Zeitplan zum sichern. Mach es aber Regelmäsig und immer nach größeren änderungen (Urlaubsfotos von der Kamera kopieren…)
  4. Im Idealfall wird eine Kopie außerhaus gelagert. Am Arbeitsplatz oder bei den Eltern. Brennt die Bude ab brennt sonst auch das Backup mit
  5. Halte dir eine gewisse Historie vor. Viele Backupprogramme ermöglichen den Stand zu unterschiedlichen Zeitpunkten wiederherzustellen. Sollte dein System infiziert sein oder eine Datei ist korrupt und du sicherst, überspielst du sonst die letzte valide Kopie.

 

Welche Möglichkeiten gibt es?

  1. Externe Festplatten

Die simpelste Lösung für den Haushalt ist meistens eine Externe USB-Festplatte auf die ich meine Urlaubsfotos sichere und sie dann wieder in der Schublade verstaue (oder besser in einem anderen Gebäude). Die Kosten sind in den letzten Jahren extrem gefallen. Für um die 80€ erhält man eine 2 TB USB 3.0 Festplatte im 2,5″ Format. Ich kann das Auch komplett ohne Software machen oder mit einer der unten angeführten Programme

2. Optische Medien (CD, DVD, BluRay)

Sicherung auf Optische Medien verliert an Beliebtheit. Offt wird von Herstellern die Möglichkeit gegeben ein Systembackup auf DVD zu brennen um den PC im Bedarfsfall zurückzusetzen. Doch heutzutage ist meist die Datenmenge zu hoch um effizient auf solche Datenträger zu sichern und externe Festplatten sind deutlich günstiger geworden.

3. Cloud

Viele nutzen heute schon Cloudstorage ohne sich näher damit zu befassen. Die iCloud oder Dropbox bietet fast alles was ein Backup haben muss. Sie ist außerhaus gelagert, hält verschiedene Versionen einer Datei vor und geht vollautomatisch. Erwähnenswert ist auch die Möglichkeit Mobilgeräte in die Cloud zu sichern. Jedes Foto das ich mit dem Handy mache wird in meine OwnCloud geladen sobald ich WLAN habe. Nachteil ist meist der begrenzte Speicherplatz. Für mehr muss man monatliche Gebüren zahlen. Und natürlich gibt man seine persönlichen und privaten Daten ungerne an Fremde weiter. Tools wie Boxcrypter und Dublicati (weiter unten) verschlüsseln die Daten bevor sie hochgeladen werden um die Privatsphäre zu schützen.

4. NAS

Ein NAS ist eine externe Festplatte die im Netzwerk Freigaben zur Verfügung stellt. Damit können auch mehrere Geräte einfach auf dem Speicher zugreifen und ihre Backups dort ablegen. Doch Vorsicht! Ein NAS das immer im Netzwerk hängt ist auch immer für Kryptotrojaner zugreifbar. Hier muss etwas mehr Konfigurationsaufwand getrieben werden. Es sollten auf die Freigabe wo Backups abgelegt werden sollen normale Nutzer KEINEN Schreibzugriff haben. Am Besten erstellt man dafür einen eigenen Benutzer den man in der Backupsoftware hinterlegt oder besser noch garnicht abspeichert. Eine Idee wäre auch diesen Ordner nicht über SMB sondern nur über FTP freizugeben. Steht das NAS im gleichen Gebäude bleibt noch das Risiko Wohnhausbrand.

Software

Eine Backupsoftware ist nicht unbedingt notwendig. Man kann auch zu Fuß über den Explorer seine Dateien kopieren. Doch gibt es schon einige Freeware und auch günstige kostenpflichtige Programme die einem Arbeit ersparen.

  1. Ein simples Script

Ein simples Script mit xcopy, robocopy oder Rsync zum Backup findet man schnell im Internet oder tippt es selbst herunter. Mein Lieblingscript in dieser Kategorie ist das rSync Backup von Heisse

Es kopiert inkrementell Dateibasiert auf Lokal angeschlossene Datenträger (funktioniert also nicht auf ein NAS) und behält ältere Versionen vor.

2. Dateisyncronisations Tools

In diese Kategorie fällt das Microsoft SyncToy. Ich verwende es gerne um meinen Fotos Ordner mit dem Fotos Ordner auf meinem Server zu Syncronisieren. Dabei brauche ich keine Historie, die erledigt der Server mit Schattenkopien (weiter unten). Es lässt sich zur auch Syncronisation in beide Richtungen konfigurieren wenn man mehrere Orte aktuell halten möchte. Oder auch nur in eine Richtung ohne jedoch Daten am Ziel zu löschen

3. Cloud-Tools

Hier möchte ich Dublicati hervorheben. Die Freeware speichert (auf wunsch verschlüsselte) Dateien auf nahezu beliebigen Datenträgern, FTP, SSH oder Clouddiensten. Sehr umfangreich Konfigurierbar. Inkrementelle und volle Backups, Schedules, Ausnahmen, Bandbreitenbegrenzung usw.

4. Backupsoftware

Hier gibt es eine große Palette an Anbietern. Positiver Erfahrungen habe ich bereits mit Acrionis und Aomei gemacht. Aomei setze ich auch privat ein da ich hier auch mit Freeware Inkrementelle Backups machen kann. Weitere Vertreter sind Paragon Backup oder Ashampoo Backup. Bei Backupsoftware muss man immer beachten das sie in ein Containerformat speichern mit denen der User selbst nichts anfängt. Sollte der Hersteller des Software pleite gehen kann das zu einem Problem werden. Dafür hat man hier die Möglichkeit sein System startfähig wiederherzustellen ohne alles neu installieren zu müssen.

Mein Backup

Wie bereits gesagt sollte man um alle Eventualitäten abzudecken verschiedene Systeme kombinieren. Meist muss man sie für jeden Arbeitsplatz etwas anpassen. Bei vielen wird ein Backup auf eine externe Festplatte genügen. Anspruchsvollen (wie ich) und User mit vielen Daten (Hobbyfoto oder -videografen) deren Dateibestand sich häufig ändert und auch ein gewisses Volumen übersteigt reicht das womöglich nicht. Ich möchte euch kurz mein Konzept vorstellen und erklären warum ich diese Methoden gewählt habe.

Mein PC hat 2 Datenträger, eine SSD mit meinem Windows 10 und den Programmen und eine HDD für Bilder, Videos, Dokumente, Downloads usw. Das macht es mit einfach möglich für jeden Datenträger eine individuelle Backupstrategie zu fahren. Wie bereits erwähnt benutze ich AOMAI. Damit mache ich 2 Mal die Woche ein Inkrementelles Backup meiner Systemplatte. Sobald die Inkrementellen Backups größer als 40 GB werden erstelle ich ein neues Vollbackup. Das dauert dann recht lange dafür sind die weiteren Backups wieder flotter. Mein Datenlaufwerk wird täglich beim anmelden mit SyncToy mit einem Ordner am File-Server syncronisiert. Dieser macht 3 mal Täglich eine Schattenkopie. Einmal alle paar Wochen stecke ich eine 4TB USB Festlatte am Server an und übertrage darauf wieder mit SyncToy alle Daten. Diese Festplatte ist Bitlockerverschlüsselt und lagert im Büro.

Überlegungen zur Dauerarchivierung

Als kleinen Anhang

Ich bin momentan am Digitalisieren alter DVD´s und VHS Kassetten. Über kurz oder lang wird es keine geeigneten Abspielgeräte mehr geben und VHS Kassetten altern je nach Qualität und Lagerung extrem. Heutzutage muss man sich weniger Sorgen um das Medium machen. Eine Datei ist schnell von einer DVD auf einen USB Stick oder in die Cloud kopiert. Man sollte sich jetzt auch über das Dateiformat Gedanken machen. Formate wie JPEG, MPEG, MP3 und AVI sind wohl recht sicher.  Proprietäre Formate wie z.B. RAW Files von Kameras deren Aufbau nicht öffentlich ist und nur der Hersteller kennt sind gefährlich. Solche Files sollte man zur Langzeitsicherung in ein anderes Dateiformat wie Tiff konvertieren.

 


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3 Gedanken zu “Backup Strategien

  • Daniel

    cooler Beitrag, sehr nützlich. Fahre ähnlich!

    Synctoy zwischen 2 Festplatten, Wichtige Dokumente auf einem Cloud Speicher und Fotos sichere ich regelmäßig auf Double Layer DVD in einer Mappe 🙂

    • ServerMarco Beitragsautor

      du sicherst wirklich noch auf DVD`s ? das wäre mit zu aufwändig 😀 hab alle meine Fotos 3fach: Auf einer 1TB Platte in meinem PC, Auf einem Raid5 in meinem Server und auf einer 4TB Externen die ich immer abstecke und mit in die arbeit nehme. Jeden Tag beim PC start werden die Bilderordner vom PC mit dem Server abgeglichen und alle paar Wochen mal vom Server auf die Externe.
      Synctoy ist super für sowas!